Montag, 29. Juli 2013

Hochbunker Rütscherstr./Försterstr. in Aachen

Bunker © Inge u. Dieter Wernet
In Aachen steht ein Hochbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dieses Bauwerk ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Geschichte. Doch nun soll der Bunker trotz seiner Bedeutung abgerissen werden. An gleicher Stelle soll ein Neubau entstehen.

In kaum einer anderen deutschen Stadt gibt es heute noch so viele Bunker und Luftschutzbauten wie in Hamburg. Es gibt allerdings auch Anlässe, die dazu führen, dass wir über die norddeutschen Grenzen hinaus agieren müssen. So hat uns jüngst eine E-Mail von Inge und Dieter Wernet aus Belgien erreicht. In der Mail geht es um ein Bauwerk in der Stadt Aachen.

Ein Hochbunker an der Rütscherstr / Försterstr in Aachen soll einem Neubau weichen. Eigentlich keine ungewöhnliche Maßnahme, wenn es sich dabei nicht um ein so wichtiges Stück der deutschen Geschichte handeln würde. Deswegen muss der bereits genehmigte Abriss des Hochbunkers auch unbedingt verhindert werden.

Die Bezirksregierung Köln begründet den Abriss des Hochbunkers so: „Aufgrund der umfangreichen Umbauten ist die Aussagekraft verloren gegangen.“ Die Regierung bezieht sich dabei auf Umbauten und Veränderungen im inneren des Bauwerks. Dennoch ändert das Innere des Bunkers nichts an seiner geschichtlichen Bedeutung.

Einschlagskrater zeugen von Kämpfen

Am 21. Oktober 1944 kapitulierte in dem Hochbunker der letzte Wehrmachtskommandant Aachens. Die einstige Kaiserstadt war die erste deutsche Großstadt, die vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten erobert wurde. Durch die Kapitulation von Oberst Wilck widersetzte sich der Kommandant Hitlers Befehl. Diese Aktion hatte Symbolkraft für einige Offiziere und Statthalter des Reiches.

Trotz der Kapitulation sollte Oberst Wilck nicht als Held dargestellt werden. Bis es dazu kam, mussten viele Soldaten ihr Leben lassen – sowohl verteidigende, wie auch die angreifenden Einheiten. Die Spuren und tiefen Einschlagskrater am Bunker zeugen von der Gewalt und Zerstörung, die mit der Vertreibung der nationalsozialistischen Diktatur einher ging.

„Wann bekennt sich Deutschland endlich zu seiner Geschichte? Schutzbauten haben in den unsäglichen Bombennächten zahllosen Menschen das Leben gerettet. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Vergangenheit und unersetzliche Zeitzeugen für spätere Generationen.“, schrieben Inge und Dieter Wernet. Wir stimmen dem zu.

Daher ist es auch wichtig, dass sich möglichst viele Menschen an einer Unterschriftenaktion gegen den bereits genehmigten Abriss des Hochbunkers Rütscherstr / Försterstr in Aachen beteiligen. Nur so kann der fast sichere Abriss möglicherweise noch verhindert werden. Weitere Informationen und die Petition gibt es HIER. (fr)

Hochbunker in Aachen: Fotos

Die Spuren am Bunker zeugen von den Kämpfen um Aachen. © Inge u. Dieter Wernet 
Eingangsbereich. © Inge u. Dieter Wernet
Einschusskrater an der Bunkerwand. © Inge u. Dieter Wernet
Am gesamten Bauwerk sind Kriegsspuren zu finden. © Inge u. Dieter Wernet
Ein Stück deutscher Geschichte in Aachen. © Inge u. Dieter Wernet

Kommentare:

  1. Und um den Bunker zu retten muss man Spam verschicken, Herr und Frau Wernet? NEIN!

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    1. Inge und Dieter Wernet , Militärhistorische Studien, St. Vith / Belgien, idw@swing.be21. August 2014 um 13:05

      Denkmalschutz in Aachen?

      Im Rahmen unserer Unterstützungsaktionen haben wir alle zuständigen Abteilungen der Stadt Aachen sowie alle Stadträte und zahlreiche Adressaten im Bereich der Hochschule RWTH angeschrieben, um den Abriss des Luftschutzbunkers in der Rütscher- / Försterstr. zu verhindern. Parallel dazu versuchten wir auch die lokalen Zeitungsredaktionen für unsere Initiative zu gewinnen. In einem zweiten Schritt machten wir die Denkmalbehörden aller Bundesländer und den Bundespräsidenten, in seiner Eigenschaft als Schirmherr des Denkmalschutzes auf die Vorgänge in Aachen aufmerksam. Das Bundespräsidialamt verwies in einer schriftlichen Stellungnahme auf die Zuständigkeit der oberen Denkmalbehörde von NRW und diese wiederum auf die Zuständigkeit der unteren Denkmalbehörde, in diesem Fall also der Stadt Aachen.

      Während die Medien durchweg passiv reagierten, erhielten wir aus den Kreisen der Stadtverwaltung, aber auch der RWTH zahlreiche Zuschriften, zusammengefasst mit dem Tenor:

      „Endlich kommt das alte nutzlose Gemäuer weg, das ohnehin ein Schandfleck im Stadtbild sei. Schließlich sei Aachen ja eine Universitätsstadt und benötige daher jede Menge bezahlbaren Wohnraums.“

      Das war eine eklatante Verkennung der Fakten und der tatsächlichen Absichten des Investors. Er hatte nämlich auf seiner Web-Seite (http://www.leben-am-lousberg.de/bunker/#) – allen zugänglich – angekündigt, anstelle des Luftschutzbunkers 50 hochpreisige (Eigentums-) Wohnungen errichten zu wollen. Wohnungen also, die für den normalbemittelten Studierenden wohl kaum erschwinglich wären.

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    2. - Es wird jetzt gesprengt! -
      Nun ist es also soweit! Der Investor und die Stadt Aachen greifen zum letzten Mittel, der ultima ratio:
      „Die Sprengung“
      Ein Verfahren, das bekanntlich eine Reihe unvorhersehbarer Risiken enthält. Nicht umsonst war diese Vorgehensweise bei der ursprünglich erteilten Abbruchgenehmigung ausdrücklich ausgeschlossen worden. Der jetzige Rückgriff auf Sprengverfahren, man hat hierfür die beschönigende Bezeichnung „Lockerungssprengungen“ gefunden, erscheint wie ein schierer Akt der Verzweiflung und Ratlosigkeit. Man darf gespannt sein, welche Folgen diese möglicherweise verhängnisvolle Entscheidung schließlich nach sich zieht.

      Inge Wernet und Dieter Wernet Dipl.-Ing.
      Militärhistorische Studien

      St. Vith / Belgien

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  2. Inge und Dieter Wernet24. November 2014 um 11:45

    - Es wird jetzt gesprengt! -

    Nun ist es also soweit! Der Investor und die Stadt Aachen greifen zum letzten Mittel, der ultima ratio:
    „Die Sprengung“
    Ein Verfahren, das bekanntlich eine Reihe unvorhersehbarer Risiken enthält. Nicht umsonst war diese Vorgehensweise bei der ursprünglich erteilten Abbruchgenehmigung ausdrücklich ausgeschlossen worden. Der jetzige Rückgriff auf Sprengverfahren, man hat hierfür die beschönigende Bezeichnung „Lockerungssprengungen“ gefunden, erscheint wie ein schierer Akt der Verzweiflung und Ratlosigkeit. Man darf gespannt sein, welche Folgen diese möglicherweise verhängnisvolle Entscheidung schließlich nach sich zieht.

    Inge Wernet und Dieter Wernet Dipl.-Ing.
    Militärhistorische Studien

    St. Vith / Belgien

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